Ein Bauernhof in Sickenhausen
Sickenhausen, 48 Einwohner, ein Kirchturm, fünf Höfe. Einer davon ist bis heute in der Familie Wiesheu — seit 1875, seit fünf Generationen. Was als Milchhof mit ein paar Dutzend Kühen begann, sollte sich über die Generationen verändern. Aber der Boden, das Wasser, der Wind über dem Acker — die blieben.
Josef und Edeltraud übernehmen
Mit 27 übernimmt Josef Wiesheu, frisch gebackener Metzgermeister, den Hof. Gemeinsam mit seiner Frau Edeltraud baut er die Milchviehhaltung über fünfzehn Jahre konsequent aus — und zugleich um. Statt Milch nun Fleisch. 40 Mutterkühe der Rasse Blonde d'Aquitaine — eine der edelsten Fleischrinderrassen Frankreichs.
Eine Reise nach Kanada
Josef Wiesheu sucht ein zweites Standbein für den Hof. Eine Reise nach Kalifornien führt ihn zu einem Bisonzüchter — und gibt ihm eine Idee, die ihn nicht mehr loslässt. Er reist zur „Süd Alberta Bison Association" nach Kanada. Dort kauft er bei vier Farmern 60 einjährige Kuhkälber. Sechstausend Kilometer Heimreise: per Lkw nach Montreal, im Charterflugzeug nach Paris, dann wieder per Lkw bis nach Sickenhausen. Null Tierverluste. Ein Jahr später folgen fünf zweijährige Zuchtbullen, ebenfalls aus Kanada.
Vom Tier bis zur Theke
Josef Wiesheu beschließt: Was am Hof wächst, soll am Hof verarbeitet werden. Die EU-zugelassene Hofmetzgerei eröffnet 1998 — und ist bis heute die einzige Metzgerei in Deutschland, die Bisons im eigenen Haus schlachtet, reift und verarbeitet. Drei Metzgermeister, eine Auszubildende, zehn Mitarbeiter. Ein geschlossener Kreislauf, den außer uns niemand mehr in Bayern in dieser Form hält.
Bayerns Bisons
Im Frühjahr 1999 werden die ersten Bisonkälber auf bayerischer Weide geboren. Heute leben rund 60 Mutterkühe, drei Zuchtbullen und ihre Nachzucht auf 18 Hektar Weide, aufgeteilt in acht Koppeln. Die Tiere sind ganzjährig draußen, brauchen keinen Elektrozaun, kein Kraftfutter. Was sie fressen, baut die Familie Wiesheu auf den restlichen Hektar selbst an: Getreide, Mais, Heu, Luzerne.
Benedikt übernimmt
Enkel Benedikt Wiesheu hat das Metzgerhandwerk gelernt und steht in den Startlöchern. „Ich war von Anfang an überzeugt, dass unser Konzept aufgeht", sagt Josef Wiesheu heute. Mit 72 Jahren denkt er an die Übergabe — und an die geplante Erweiterung der Herde auf 80 bis 100 Mutterkühe. Sickenhausen, 48 Einwohner. Und die wahrscheinlich größte Bisonherde Deutschlands.
„Ich war von Anfang an überzeugt,
dass unser Konzept aufgeht."